Stiftungsgespräch mit
Dr. Bettina Breitenbücher

vom 22.10.2021

ZW: „Frau Dr. Breitenbücher, Sie sind seit nahezu 8 Jahren in der Stiftung Semperoper engagiert. Was hat Sie damals dazu bewegt, der Stiftung beizutreten?

BB: Ich höre gerne klassische Musik, dies aber vor allem „live“. Mit der Semperoper „vor der Haustür“ hat Dresden ein Juwel. Ich habe schon viele namhafte Opernhäuser in anderen Ländern besucht und kann daher aus eigener Erfahrung bestätigen, dass die Semperoper Dresden auch im internationalen Vergleich eine hervorragende Stellung einnimmt. Mit ihr kann sich die Stadt national und auch international von ihrer besten Seite zeigen. 

ZW: Wann waren Sie zum ersten Mal in der Semperoper? Welche Erinnerungen haben Sie an diesen ersten Opernbesuch?

BB: Ich besuchte 2003 zum ersten Mal die Semperoper, als ich gerade frisch nach Dresden gezogen war. Ich kann mich zwar nicht mehr erinnern, welche Oper gespielt wurde, aber ich weiß noch, dass es eine Premiere und ich von der Musik begeistert war. Ich habe außerdem festgestellt, dass eine Premiere in Dresden auch ein gesellschaftliches Ereignis ist, weil die Dresdner und Dresdnerinnen ein gesteigertes Kulturverständnis haben.

ZW: Diese Erfahrung habe ich auch gemacht. Bis heute begeistern mich Kenntnis und Leidenschaft, die Dresdner und Dresdnerinnen aller gesellschaftlicher Couleur und Altersgruppen für Musik, Tanz, Theater und Oper, eigentlich Kunst jeder Art zeigen. Ich komme ja, wie Sie, aus der Region Heilbronn. Dort ist mir dieser Enthusiasmus und diese Begeisterung nicht so in Erinnerung. Wie sind Ihre Erfahrungen dazu?

BB: Ja, das geht mir genauso. Das hat aber sicher mehrere Gründe. Zum einen musste man damals für einige kulturelle Veranstaltungen nach Stuttgart fahren – ein Aufwand, den man hier in Dresden nicht betreiben muss. Zum anderen hat sich in den vergangenen Jahren das Angebot auch spürbar verbessert. Man muss dabei bedenken, dass man in jüngeren Lebensjahren auch selbst eher mit dem Auf- und Ausbau der beruflichen Existenz oder der Familie beschäftigt ist und daher nicht immer Muse für Kultur hat.

ZW: Studien haben ergeben, dass das Durchschnittsalter von Opernbesuchern stetig steigt. Frau Breitenbücher, Sie sind Mutter von drei Kindern. Konnten Sie Ihre Begeisterung für die Oper auch auf Ihre Kinder übertragen? Was ist dafür Ihr „Rezept“?

BB: Meine Kinder sind noch zu jung, um sich für eine Oper zu begeistern. Es geht – zumindest mir – nicht nur darum, sich von Musik „berieseln“ zu lassen. Aus meiner Sicht gehört dazu auch ein Interesse für den kulturellen Hintergrund des dargebotenen Stoffs. Das kann man von Kindern in diesem Alter noch nicht erwarten. Allerdings habe ich selbst als Kind recht gut Klavier und auch Geige gespielt und es ist mir gelungen, meinen Kindern jedenfalls das Interesse an Musik zu vermitteln. Alle Kinder spielen mehr oder weniger ein Instrument und eine meiner Töchter singt engagiert in einem Chor. Ich bin mir sicher, dass meine Kinder, wenn sie älter sind, auch Zugang zur Opernmusik finden werden.

ZW:  So sind auch meine Erfahrungen, wobei ich bei meiner Tochter festgestellt habe, dass Sie mich zu einem Ballettabend oder einem Konzert, eines auch bei jungen Leuten angesagten Künstlers, gerne begleitet. 

Wir als Stiftung stehen jedes Jahr vor der Entscheidung, welche Aufführungen wir unterstützen sollen. Dabei stellt sich dann auch die Frage, ob wir mit dem geförderten Programm auch den „Besucher- Nachwuchs“ erreichen und ansprechen. Wie sehen Sie das?

BB: Zunächst einmal finde ich es einen guten Ansatz, mit dem geförderten Programm auch jüngere Besucher und Besucherinnen ansprechen zu wollen. Damit gibt man die Richtung für die Förderung auch ein Stück weit vor: Es kommt nicht darauf an, altbekannte Stars zu ehren – diese müssen auch nicht mehr gefördert werden –, sondern es gilt bei der Förderung den „Zeitgeist“ aufzugreifen, der den Besucher-Nachwuchs tatsächlich anspricht. Das dürfte aus meiner Sicht die größte Herausforderung sein.   

ZW: Was wünschen Sie der Stiftung für die Zukunft?

BB: Ich wünsche der Förderstiftung viel Erfolg bei der Unterstützung des kulturellen Programms der Semperoper – ein auf Inhalte ausgerichtetes Engagement. Insbesondere um im internationalen Vergleich bestehen zu können, braucht es auch internationale Stars, die hier auftreten. Für diese muss entsprechend budgetiert werden. Also wünsche ich der Stiftung Semperoper viele Mitglieder und auch wirtschaftlichen Erfolg.